Neurostimulation bei chronischen Schmerzen

Neurostimulation
Elektrode (grün) mit Neurostimulator

Mit elektrischen Impulsen den Dauerschmerz stoppen

Die Neurostimulation ist eine Behandlungsmethode, die chronische Schmerzen lindert - und zwar durch elektrische Impulse. Die Methode kommt für Patienten in Frage, die nach Rücken-, Knie-, Schulter- oder Hüftoperationen oder aufgrund von Durchblutungsstörungen (z.B. „Schaufensterkrankheit“ oder Angina Pectoris) an schweren, nicht weiter behandelbaren Schmerzen leiden. Neurostimulation wird auch Spinal Cord Stimulation (kurz: SCS) genannt.

Elektroden fangen Schmerzsignale ab
Die Neurostimulation setzt am Rückenmark an, das die Schmerzsignale an das Gehirn übermittelt. Um diese Übermittlung zu unterbrechen, werden dem Patienten feine Elektroden auf die Hülle des Rückenmarks gelegt. Die Elektroden geben schwache elektrische Impulse ab, die die Schmerzsignale auf ihrem Weg vom Rückenmark ans Gehirn abfangen und durch ein Kribbelgefühl ersetzen, das die Patienten in den sonst schmerzenden Körperregionen verspüren. Die elektrischen Impulse erzeugt ein etwa handtellergroßer Schrittmacher, der dem Patienten unter dem linken Rippenbogen eingepflanzt wird (siehe dazu auch die Illustration links).

Behandlung in zwei Etappen
Zunächst werden die Elektroden eingesetzt. Das geschieht bei einem ambulanten Eingriff, der ein bis zwei Stunden dauert und unter örtlicher Betäubung erfolgt. Dem Eingriff schließt sich eine Testphase an, damit die Patienten prüfen können, wie die Methode funktioniert und ob die Neurostimulation hilft. Nach einer erfolgreichen Testphase wird der Schrittmacher dauerhaft unterhalb des linken Bogens eingesetzt. Dafür ist ein einstündiger operativer Eingriff in Vollnarkose erforderlich.

Studien belegen gute Ergebnisse
Die Neurostimulation wird seit 30 Jahren angewendet, sie ist ein weltweit erfolgreich erprobtes und sicheres Verfahren. Die meisten Patienten empfinden nach der Neurostimulation deutlich weniger Schmerz, manche werden sogar schmerzfrei. Wie gut die Methode bei Patienten anschlägt, die nach einer erfolglosen Rückenoperation („failed back surgery”) unter chronischen Rücken- und Beinschmerzen leiden, zeigt die PROCESS-Multicenter-Studie.

Process Studie Medtronic
Studie: Stimulation des Rückenmarks bei neuropathischen Schmerzen (english)
Studie: Thoracic Rückenmarkstimulation (english)
Presseartikel Ärzteblatt:
Voll implantierbare Neurostimulationssysteme zur Rückenmarkstimulation

Pressebericht BZ-Berlin:
"In meinem Rücken schlägt jetzt ein Schrittmacher"

Unbegrenzt wirksam – jederzeit reversibel
Die Lebensdauer der Elektroden ist unbegrenzt. Der Schrittmacher hält zwischen vier und sechs Jahre und kann danach gegen einen neuen ausgetauscht werden. Zu den Vorteilen der Neurostimulation zählt, dass es keinerlei Gewöhnungseffekt an die elektrischen Impulse gibt – die Wirksamkeit lässt also nicht nach, eine höhere „Dosis“ ist nicht erforderlich. Ein weiterer Vorteil der Methode besteht darin, dass sie jederzeit wieder zurückgenommen werden kann. Wenn der Patient das implantierte System nicht mehr nutzen will, kann es abgeschaltet und /oder entfernt werden.

Kassen übernehmen auf Antrag die Behandlungskosten
Sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen übernehmen die Therapiekosten, wenn der Arzt einen medizinisch begründeten Antrag stellt.

Kommt eine Neurostimulation für Sie in Frage? Kurz-Check
Grundsätzlich sind Patienten für eine Neurostimulation geeignet, die

seit über drei Monaten unter chronischen Schmerzen leiden
durch eine konventionelle Behandlung wie Medikamente keinen ausreichende Schmerzlinderung erfahren oder unter unzumutbaren Nebenwirkungen leiden
nicht für einen (weiteren) chirurgischen Eingriff in Betracht kommen
keine Kontraindikationen wie beispielsweise Krebserkrankungen oder Organschmerzen aufweisen.